Protozone7: Zones of Kinship, Love & Playbour

Zones of Kinship, Love & Playbour

Wenn sich das ganze Leben um die Arbeit dreht – wie wäre es dann, wenn arbeiten ein bisschen mehr wie leben, oder wie etwas Lebendiges wäre?

Protozone7 in der Shedhalle Zürich widmet sich dem Bereich der Nicht-Arbeit und beherbergt unsichtbare Prozesse, die dann stattfinden, wenn wir uns ausruhen, lachen, lieben und nicht arbeiten. Solche Orte sind zu einer gefährdeten Spezies geworden. Ihre Ökologien leben von Überfluss und Großzügigkeit. Sie wollen nichts von Dir. Diese Orte sind nichts als sich selbst, voller Fülle und doch nie vollständig, ein Geflecht an Möglichkeiten, das Stille, Innehalten und Ruhe zulässt. Zeit ist generell Mangelware, doch seltsamerweise haben wir hier mehr als genug davon. 

Die hier gezeigten künstlerische Praktiken gehen mit der oft schmerzhaften, aber immer noch romantisieren Vermischung von Leben und Arbeit um. In den letzten zwei Jahren stellen sich verstärkt Fragen nach den Infrastrukturen rund um Arbeiten und Leben. Während Produktionsweisen wie etwa das ‘Homeoffice’ vermehrt eingeführt werden, erinnern Begriffe wie ‘playbour’ an das Versprechen einer Verschmelzung von Arbeit, Spiel und Freizeit als einer einzigen Tätigkeit, die nicht bloss die Kehrseite übermässiger persönlicher Erschöpfung mit sich bringt. Während ‘playbour’ sich innerhalb der Arbeitsstätten sogenannt “immaterialler Arbeit” abspielt, sind diese Arbeitsweisen auch eng mit der materiellen Abschöpfung und Ausbeutung von Arbeitskräften und mehr-als-menschlichen Ressourcen auf globaler Ebene verkoppelt. 

Die Wände der Shedhalle tragen ihre Vergangenheit der Produktionsstätte für mechanische Seidenfabrikation im ausgehenden 19. Jahrhundert in sich, als vormals hochqualifiziertes manuelles Handwerk aus der Heimarbeit in industrielle Fertigungshallen zog. 

Protozone7 greift diese Momente und Zeitsprünge zwischen Heimarbeit, Playbour, Ausbeutung und Homeoffice auf, auf um alte Fragen erneut zu stellen, etwa: Wie kann alles Lebendige und das Leben selbst vor totaler Abstraktion und Finanzialisierung bewahrt werden? 

Die eingeladenen Künstler*innen haben ihre Arbeiten während der Pandemie entwickelt. Wie viele von uns erlebten sie Momente der Krise, der Depression, der Krankheit, des Verlusts und der Entbehrung. Sie fanden Wege, um Verhältnisse zu fördern, die diese Arbeiten unterstützen, ohne sich einer ausbeuterischen Logik des Gewinns zu beugen. Diese Zone beherbergt ihre spezifischen und oft langsamen Praktiken, ihre fortwährende Beziehungspflege und ihren sorgfältigen Umgang mit den Materialien.


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Ticketinformationen

https://shedhalle.ch/besuchsinfos/

Künstler:innen / Personen

mit aLifveForms (fed and cared for by JP Raether), Claudia Hill, Kiraṇ Kumār, Nils Amadeus Lange, Liquid Dependencies Theory, Enad Marouf, River Oracle, SABA

kuratiert von Lucie Tuma
kuratorische Assistenz Sophie Germanier, Ani Ekin Özdemir

Veranstalter:in

Shedhalle

Die Shedhalle als Raum für prozessbasierte Kunst Der Prozess ist ein Werkzeug, um der Kunst unbekannte Handlungs- und Denkräume zu erschließen. Er ist der Kern unserer Arbeit in der Shedhalle. Wir führen damit eine Entwicklung weiter, bei der...

Details

Ort

+41 (0)44 481 59 50
mail@shedhalle.ch
Seestrasse 395
8038 Zürich

Dein Weg

Öffnungszeiten:

Beschreibung:

Die Shedhalle als Raum für prozessbasierte Kunst

Der Prozess ist ein Werkzeug, um der Kunst unbekannte Handlungs- und Denkräume zu erschließen. Er ist der Kern unserer Arbeit in der Shedhalle. Wir führen damit eine Entwicklung weiter, bei der sich die Autorität von Künstler*innen und Institutionen zum Publikum verschiebt. Kunst ist an der Herstellung konkreter Gemeinschaften beteiligt. Die Welt wandelt sich und Kunstinstitutionen stehen vor der Aufgabe, mit gesellschaftlichen Fragen umzugehen. Immer stärker werden Plattformen wichtig, die sich dynamisch mit dem sozialen, technologischen und ökologischen Wandel auseinandersetzen. Debatten um politische Handlungsunfähigkeit, die Ermächtigung vormals marginalisierter Gruppen und ökologische Nachhaltigkeit treffen nirgends so verdichtet aufeinander wie in der Kultur. Museen, Kunsthallen, Festivals und Theater sind Labore für Wandel und Testgebiete für Utopien. Darin sehen wir die Aufgabe der Shedhalle in Zürich, und dafür braucht es neue Strategien des Ausstellungsmachens.
Um den Prozess bewusst im Tagesgeschäft einer Kunstinstitution zu verankern, haben wir ein neues Format ausgearbeitet: die Protozone. Sie bietet Raum für Zusammenarbeit und Ausstellungen, denen ihre Offenheit noch anzusehen ist. Die Protozone kann jede Kunstform in sich aufnehmen und bietet Platz für Workshops und Akademien, die wiederum in einen Prozess mit anderen Elementen der Zone eintreten. Die Protozonen der Shedhalle sind inklusiv angelegt, denn sie ermöglichen die Zusammenarbeit von Künstler*innen und Personen mit verschiedenen Hintergründen und Identitäten. Sie erlauben langsames, beharrliches Handeln, sie schaffen einen Raum, in dem sich Prozesse entfalten können. Die Shedhalle und ihre Protozonen sind Orte für unkonventionelle Praktiken und für Experimente. Sie bieten eine Plattform für Künstler*innen, die in unterschiedlichen Disziplinen arbeiten und deren komplexen Biografien wir gerecht werden wollen. Wir verstehen die Protozone als Startpunkt für eine Gemeinschaft von Künstler*innen und Aktivist*innen, die nicht marktkonform arbeiten.

Zugänglichkeit:

Die Shedhalle sowie die sanitären Anlagen sind rollstuhlgängig und barrierefrei passierbar. Mit dem Konzept Kollekte/Minimalbeitrag verfolgt die Shedhalle eine Eintrittspreispolitik, die einen Besuch auch Menschen mit geringem Einkommen ermöglicht.

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