Filmpodium

Fr, 15.03.2019 | 15:00 UHR
Nüschelerstrasse 11 | Zürich

Room at the Top

Jack Clayton (GB 1959)

Simone Signoret
Schön, stark und etwas verrucht – Simone Signoret hatte schon in jungen Jahren eine Ausstrahlung, die sie für Rollen im Halbweltmilieu zu prädestinieren schien. Erst allmählich vermochte sie sich von diesem Stereotyp zu befreien, nicht zuletzt mit Projekten, in denen sie ihr politisches Engagement einbrachte. Noch im Alter, dessen Spuren sie nie vertuschte, verkörperte sie unvergessliche Filmfiguren.

«Es ist die gute, vertraute Geschichte vom klugen, ehrgeizigen Jungen aus der Provinz, der in der Grossstadt Erfolg haben will. (...) Hier stammt der Junge aus den modernen Industrie-Slums von Yorkshire; er ist in einem deutschen Gefangenenlager im Zweiten Weltkrieg zum Zynismus erzogen worden und nun ist er Beamter. Wie Julien Sorel in Stendhals «Le rouge et le noir» und Clyde Griffith in Theodore Dreisers «An American Tragedy» ist auch Joe Lampton auf Abenteuer aus; anders als jene wird er für seine sexuellen Übergriffe nicht umgebracht, auch wenn er zusammengeschlagen wird in einer Weise, die eine rituelle Bestrafung andeutet. Wie seine Vorläufer handelt der Roman von Klassenzugehörigkeit, Geld und Macht – und davon, wie Sex, der benutzt wird, um diese zu erreichen, dem Benutzer eine Falle stellt.
Joe ist ein aggressiver junger Emporkömmling, ein Mann aus den Slums, der die Klassenstruktur durchbrechen und ins Establishment aufsteigen will. Der Film hat geholfen, Erwachsene zurück ins Kino zu locken – zum Teil zweifellos wegen der ungewöhnlich intelligenten Darstellung von Joes Trieben und den ungewöhnlich unverblümten Dialogen, vor allem aber wegen der grossartigen Liebesszenen zwischen Laurence Harvey und Simone Signoret. Sie ist wunderbar als die ältere Frau, die er liebt, aber seinem Ehrgeiz opfert. Ihre Sinnlichkeit steht im Kontrast zu der jungfräulichen Oberflächlichkeit von Heather Sears in der Rolle des Mädchens, das er heiratet.» (Pauline Kael: 5001 Nights at the Movies, Marion Boyars 1993)
«Der Film hat einen wichtigen Pluspunkt: Simone Signoret, die für diese Rolle in Cannes den grossen Preis für die beste Darstellerin bekam. Schöner denn je, spielt sie mit ungeheurer Intelligenz. Es genügt zu sehen, wie sie vor dem Spiegel ängstlich die Falten unter ihrer Schminke erahnt oder verzweifelt und sprachlos in der Ecke einer Kneipe sitzt, um zu verstehen, dass wir es hier mit einer jener aussergewöhnlichen Kreaturen zu tun haben, die von Asta Nielsen über Greta Garbo und Marlene Dietrich bis zur Magnani die Geschichte der siebten Kunst prägen. Ihr Gesicht lässt die Leinwand erstrahlen; ganz für sich allein konzentriert es die gesamte Poesie des Films und verteilt sie neu. Die Figur fällt komplett mit ihrer Darstellerin zusammen, und es ist doppelt unverzeihlich, dass Joe ihr eine kleine Milliardärspflaume vorzieht. Alice-Signoret ist viel mehr wert als die Fabriken von Papa Brown. Ausserdem ist sie ‹die Frau› schlechthin, voll und ganz und wunderbar.» (Freddy Buache: Le cinéma anglais, LʼAge dʼHomme 1978)


117 Min. / sw / DCP / E

zur Website des Veranstalters/der Veranstaltung

Informationen

Besetzung / Künstler

Regie: Jack Clayton
Drehbuch: Neil Paterson
Autor: John Braine
Kamera: Freddie Francis
Musik: Mario Nascimbene
Schnitt: Ralph Kemplen
Besetzung: Simone Signoret (Alice Aisgill), Laurence Harvey (Joe Lampton), Heather Sears (Susan Brown), Donald Wolfit (Mr. Brown), Ambrosine Phillpotts (Mrs. Brown)

Veranstaltungsort

Filmpodium


Adresse:

Nüschelerstrasse 11
8001 Zürich
Kasse +41 (0)44 211 66 66
Büro +41 (0)44 412 31 28
info@filmpodium.ch


Weitere Veranstaltungen

#Female Pleasure: Barbara Miller (Schweiz/Deutschland 2018) (März)

Der Läufer: Hannes Baumgartner (Schweiz 2018) (März)

Fortuna: Germinal Roaux (Schweiz/Belgien 2018) (März)

Genesis 2.0: Christian Frei, Maxim Arbugaev (Schweiz 2018) (März)

Kurzfilme der Filmhochschulen HEAD Genf und ZHdK – 2019: Bon appetit (Schweiz 2018)
Echo (Schweiz 2018)
Idiotikon (Schweiz 2018)
Mon bien-aimé, les montagnes (Schweiz 2017)
Premier amour (Schweiz 2017)
(März)

Les dames: Stéphanie Chuat, Véronique Reymond (Schweiz 2018) (März)

Eldorado: Markus Imhoof (Schweiz/Deutschland 2018) (März)

Pearl: Elsa Amiel (Frankreich/Schweiz/Monaco 2018) (März)

Wolkenbruch: Michael Steiner (Schweiz/Deutschland 2018) (März)

Ceux qui travaillent: Antoine Russbach (Schweiz/Belgien 2018) (März)

Le livre d'image: Jean-Luc Godard (Schweiz/Frankreich 2018) (März)

Beste Abschluss-, Animations- und Kurzfilme 1: Les Heures-encres (Schweiz 2016)
Was sind die Konsequenzen einer Selbstverbrennung? Kann eine radikale Tat wirklich etwas verändern?
Selfies (Schweiz 2018)
Eine rasante Selfie-Reise rund um die Welt bietet Einblick in den alltäglichen Porträtier-Wahnsinn.
Valet noir (Schweiz 2017)
Leila, eine einzigartig androgyne Frau, arbeitet in einem Casino unter Männern.
Bacha Posh (Schweiz/Frankreich 2018)
Im Flüchtlingslager in Calais warten Nadim und seine Famillie auf die Weiterreise nach England. Nadim ist eigentlich ein Mädchen, das aber als Sohn der Familie aufwächst. Sie will nur eines: fliehen, um frei zu sein.
Hamama & Caluna (Schweiz 2018)
Die jungen Freunde Hamama und Caluna mussten alles hinter sich lassen. Gestrandet in einer Zeltstadt in Norditalien beschliessen sie, bei Nacht und Nebel die geschlossene Schweizer Grenze über die Alpen zu passieren.
(März)

Beste Abschluss-, Animations- und Kurzfilme 2: Fast alles (Schweiz 2017)
Leandra muss ihren Mann Paul ins Heim bringen. Doch er möchte lieber ans Meer fahren.
Schächer (Schweiz 2018)
Ein unbekannter Gast betritt das Haus einer alten Frau und eines alten Mannes. Sein Besuch ist unerwartet und verändert alles für immer.
Coyote (Schweiz 2018)
Ein Kojote verliert durch einen Angriff von Wölfen seine Frau und seine Kinder. Geplagt von menschlichen Emotionen versucht er, das Erlebte zu verarbeiten.
Bonobo (Schweiz 2017)
Félix, Ana und Seydoux leben im selben Sozialwohnblock, kennen einander aber nicht. Der alte Lift des Hochhauses verbindet ihre Lebensgeschichten miteinander und führt sie einem tragischen Schicksal entgegen.
The Flood Is Coming (Schweiz/GB 2018)
Ein Einsiedler im Wald versucht, sich auf eine Flut vorzubereiten. Der Film ergründet die wachsende Sorge um den Zustand der Natur und unseren Platz darin.
All Inclusive (Schweiz 2018)
Im Banne der Massenunterhaltung auf hoher See.
(März)

La Dentellière: Claude Goretta (Schweiz/Frankreich/Deutschland 1977) (März)

Schweizer Filmpreis - Woche der Nominierten (März)

Giulias Verschwinden: Christoph Schaub (Schweiz 2009) (März)

The Godfather: Part II: Francis Ford Coppola (USA 1974) (März, April)

The Godfather: Francis Ford Coppola (USA 1972) (März, April)

The Godfather: Part III: Francis Ford Coppola (USA 1990) (März, April, Mai)

A Connecticut Yankee in King Arthur's Court: Tay Garnett (USA 1949) (März)

Dementia 13: Francis Ford Coppola (USA 1963) (März, April)

Jour de fête: Jacques Tati (März, April)

The Conversation: Francis Ford Coppola (USA 1974) (April)

Die letzte Kompagnie: Kurt Bernhardt (Deutschland 1930) (April)

Ihre Majestät die Liebe: Joe May (Deutschland 1931) (April)

Blaubart: Krzysztof Zanussi (BRD/Schweiz 1984) (April)

The Rain People: Francis Ford Coppola (USA 1969) (April)

One from the Heart: Francis Ford Coppola (USA 1982) (April)

The Big Parade: King Vidor (USA 1925) (April)

Apocalypse Now Redux: Francis Ford Coppola (USA 1979) (April)

Rumble Fish: Francis Ford Coppola (USA 1983) (April)

Lola: Jacques Demy (Frankreich/Italien 1961) (April, Mai)

... und das ist die Hauptsache?!: Joe May (Deutschland 1931) (April)

Zauberlaterne (April)

Le silence de la mer: Jean-Pierre Melville (April, Mai)

Confession: Joe May (USA 1937) (April)

Peggy Sue Got Married: Francis Ford Coppola (USA 1986) (April)

Zwei Herzen im ¾ Takt: Géza von Bolváry (Deutschland 1930) (April)

Einmal Mond und zurück (Atrapa la bandera): Enrique Gato (Spanien/USA 2015) (April, Mai)

White Heat: Raoul Walsh (April)

Tetro: Francis Ford Coppola (USA/Argentinien/Spanien/Italien 2009) (April, Mai)

Asphalt: Joe May (Deutschland 1929) (April)

Heimkehr: Joe May (Deutschland 1928) (April)

Bram Stoker's Dracula: Francis Ford Coppola (USA 1992) (April)

The Rainmaker: Francis Ford Coppola (USA/Deutschland 1997) (April, Mai)

The Cotton Club: Francis Ford Coppola (USA 1984) (April, Mai)

Twixt (3D): Francis Ford Coppola (USA 2011) (April)

The Third Man: Carol Reed (April)

Tucker: The Man and His Dream: Francis Ford Coppola (USA 1988) (April, Mai)

Der Schuss im Tonfilmatelier: Alfred Zeisler (Deutschland 1930) (April)

Das Erbe oder: Fuckoffjungsgutntag (Dedictví aneb Kurvahošigutntág): Věra Chytilová (Tschechoslowakei 1992) (April)

J'accuse: Abel Gance, Blaise Cendrars (Regieassistenz) (Frankreich 1919) (April)

Alfred R. – Ein Leben und ein Film: Georg Radanowicz (Schweiz 1972) (April)

Westfront 1918: Georg Wilhelm Pabst (Deutschland 1930) (April, Mai)

Härte: Rosa von Praunheim (Deutschland 2015) (April, Mai)

Später Frühling (Banshun): Yasujiro Ozu (April, Mai)

Meine Mütter – Spurensuche in Riga: Rosa von Praunheim (Deutschland 2007) (Mai)

Überleben in New York: Rosa von Praunheim (BRD 1989) (Mai)

Tunten lügen nicht: Rosa von Praunheim (Deutschland/Frankreich 2002) (Mai)

Der Einstein des Sex: Rosa von Praunheim (Deutschland/Niederlande 1999) (Mai)

Pfui, Rosa!: Rosa von Praunheim (Mai)

Youth Without Youth: Francis Ford Coppola (USA/Rumänien/Frankreich/Italien/Deutschland 2007) (Mai)

Tally Brown, New York: Rosa von Praunheim (BRD 1979) (Mai)

Mädchen in Uniform: Leontine Sagan, Carl Froelich (Deutschland 1931) (Mai)

Kind Hearts and Coronets: Robert Hamer (Mai)

Das indische Grabmal. 1. Die Sendung des Yoghi: Joe May (Deutschland 1921) (Mai)

Twixt: Francis Ford Coppola (USA 2011) (Mai)

Das indische Grabmal. 2. Der Tiger von Eschnapur: Joe May (Deutschland 1921) (Mai)

New York Memories: Rosa von Praunheim (Deutschland 2010) (Mai)