Filmpodium

Mi, 12.06.2019 |
Nüschelerstrasse 11 | Zürich

Hinter den sieben Gleisen

Kurt Früh

Das erste Jahrhundert des Films
In der Dauerreihe «Das erste Jahrhundert des Films» zeigen wir im Lauf von zehn Jahren rund 500 wegweisende Werke der Filmgeschichte. Die Auswahl jedes Programmblocks ist gruppiert nach Jahr­gängen, woraus sich schliesslich 100 Momentaufnahmen des Weltkinos von 1900 bis 1999 ergeben. Referenzzahl ist jeweils der aktuelle Jahrgang, d. h. im Jahr 2019 sind Filme von 1919, 1929, 1939 usw. zu sehen.

Inge, ein hochschwangeres deutsches Dienstmädchen, wirft sich auf dem Rangierbahnhof vor eine Lokomotive; gerade noch rechtzeitig kann der Lokführer bremsen. Die junge Frau rennt davon, findet in einem nahen Schuppen bei drei Clochards Unterschlupf und bringt dort kurz darauf ihr Kind zur Welt. Zuerst widerwillig, kümmert sich das Trio bald liebevoll um die Mutter und ihr Kind.
Kurt Frühs Hinter den sieben Gleisen, dieses romantische Melodrama voller Humor und leiser Ironie, ist ein atmosphärisches Zeitdokument über die Gegend rund um die Langstrasse Ende der 1950er-Jahre und zählt zu den erfolgreichsten Schweizer Filmen. Früh schnitt seinen Lieblingsfilm ganz auf die drei Penner, Nebenfiguren aus Bäckerei Zürrer, zu: «Die Clochards in seinen Filmen, die waren sein Alter Ego, er sagte immer: Das hätte um ein Haar ich sein können.» (Katja Früh, zit. watson.ch)
«Ich kann mir diesen stimmungsvollen Schwarzweissfilm immer wieder anschauen. Meine Lieblingsszenen sind die beim Bananenhändler Colonna (Ettore Cella), wo die drei Komiker-Kaliber Ruedi Walter, Zarli Carigiet und Max Haufler ihre Ganoventricks zum Besten geben. In einer dieser Szenen zitiert Kurt Früh augenzwinkernd gleich zwei Filmklassiker: The Kid von Chaplin und Eisensteins Kinderwagen-Szene auf der Potemkinschen Treppe in Odessa.» (Fredi M. Murer, zit. srf.ch)
«Gründe, warum der Film für alle funktioniert: 1. Die Geschichte ist zeitlos und herzerwärmend. Arm gegen Reich. Aussenseiter gegen Bourgeoisie. Gut gegen Böse. 2. Der Film spielt im Kreis 4, anno 1959. Man erkennt die Ecken wieder und vor allem: Der Dialekt ist zum Schreien! 3. Ältere Semester (...) sehen im Film die Stadt ihrer Kindheit. 4. Kinder mögen Ruedi Walters einzigartige Slapstick-Einlagen. Ansehen!» (David Sarasin, tagesanzeiger.ch, 18.12.2012)

Hinter den sieben Gleisen / 106 / sw / DCP / Dialekt
Regie: Kurt Früh
Drehbuch: Kurt Früh, Hans Hausmann
Kamera: Emil Berna
Musik: Walter Baumgartner
Schnitt: Hans Heinrich Egger
Besetzung: Max Haufler (Barbarossa/Karl Kessler), Ruedi Walter (Clown), Zarli Carigiet (Dürst), Ursula Heyer (Inge), Hannes Schmidhauser (Hartmann), Margrit Rainer (Frau Herzog), Helmut Förnbacher (Paul Eberhard), Ettore Cella (Colonna), Fred Tanner (Polizist Meier 12), Albert Pulmann (Caraco)

Schweizer Filmwochenschau 1959 / 10 / sw / Digital HD / D

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Filmpodium


Adresse:

Nüschelerstrasse 11
8001 Zürich
Kasse +41 (0)44 211 66 66
Büro +41 (0)44 412 31 28
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Mr. Moose hat ein grausiges Gebiss, Mrs. Moose eine entstellende Nase. Beide lassen sich heimlich chirurgisch verschönern. Als sie sich begegnen, erkennen sie sich nicht, verlieben sich aber ineinander. Es droht ein doppelter Ehebruch, der keiner wäre.
Charley Chase (1893–1940) war bereits ein arrivierter Filmemacher, als Leo McCarey bei den Hal Roach Studios anheuerte. Chase wechselte vor die Kamera, und McCarey drehte mit ihm klassische Komödien über einen sympathischen Durchschnittsbürger, der in aussergewöhnliche Bredouillen gerät.
Good Night, Nurse! (USA 1918)
Der betrunkene Fatty möchte in einem Lokal Schutz vor dem Unwetter suchen, aber der Besitzer lässt ihn nicht mehr herein. Als er endlich nach Hause kommt, hat seine Frau beschlossen, ihn in ein Sanatorium einzuweisen, um ihn von seiner Trunksucht zu kurieren. Da ihm der Chefarzt der Heilanstalt kein Vertrauen einflösst, versucht Fatty mit einer hübschen Patientin abzuhauen.
Von den Slapstick-Komikern der 1910er-Jahre konnte sich nur Charlie Chaplin in Sachen Ruhm mit Roscoe «Fatty» Arbuckle (1887–1933) messen. Er war ein gewaltiger Star, der auch als Entdecker von Buster Keaton in die Filmgeschichte einging. In Good Night, Nurse! (1918) ist Keaton noch nicht das «Stoneface» und zeigt als flirtender Chefarzt virtuoses Mienenspiel.
The «High Sign» (USA 1921)
Buster heuert bei einer Schiessbude an und gibt sich gegenüber dem Besitzer als Meisterschütze aus. Der Mann ist Chef einer Gangsterbande, deren Mitglieder sich mit einem kuriosen Handzeichen identifizieren. Er befiehlt Buster, den Geizkragen Nicklenurser umzubringen. Aber Nicklenurser und seine Tochter haben soeben Buster als Leibwächter engagiert.
Buster Keaton (1895–1966) drehte The «High Sign» 1921 als ersten Kurzfilm in Eigenregie. Veröffentlicht hat er ihn aber erst später, vermutlich weil er mit der Gestaltung seines Stils und seiner Figur noch nicht zufrieden war. Auch deshalb war der Film eher selten zu sehen, obschon er höchst unterhaltsam ist.
Big Business (USA 1929)
Stan und Ollie hausieren im sonnigen Kalifornien mit Christbäumen. Einer ihrer potenziellen Kunden reagiert unwirsch, als sie bei ihm klingeln. Es kommt zu einer fatalen Eskalation.
Leo McCarey inszenierte diesen Klassiker des rabiaten Slapsticks, in dem das von ihm geschaffene Komiker-Duo Stan Laurel (1890–1965) und Oliver Hardy (1892–1957) seiner Rachsucht und seinem Zerstörungstrieb freien Lauf lässt.
Mabel's Strange Predicament (USA 1914)
Mabel wartet im Hotel auf ihren Liebsten und wird von einem betrunkenen Landstreicher belästigt. Auf ihrer Flucht vor dem zudringlichen Verehrer gerät sie in Teufels Küche.
Mabel Normand (1892–1930) war nicht nur als Model und Schauspielerin erfolgreich, sie führte auch bei zahlreichen Filmen Regie, auch bei Mabel's Strange Predicament (1914). Darin hat Charlie Chaplin seinen zweiten Auftritt überhaupt in der Rolle des Tramps.
(Januar)

Dragnet Girl (Hijosen no onna): Yasujiro Ozu (Japan 1933) (Januar)

The Blot: Lois Weber (Januar)

The Shining (Extended Version): Stanley Kubrick (GB/USA 1979) (Januar, Februar)

Kohlhiesels Töchter: Ernst Lubitsch (Januar)

Borderline: Kenneth Macpherson (Januar)

Pandora and the Flying Dutchman: Albert Lewin (GB 1951) (Januar, Februar)

Georgy Girl: Silvio Narizzano (GB 1966) (Januar, Februar)

Dr. Jekyll and Mr. Hyde: John S. Robertson (USA 1920) (Januar)

Kain und Artjom (Kain i Artem): Pawel Petrow-Bytow (UdSSR 1929) (Februar)

In My Room: Ayelet Albenda (Israel/USA/GB 2017) (Februar)

Erde (Semlja): Alexander Dowshenko (Februar)

The Covered Wagon: James Cruze (USA 1923) (Februar)

Peppermint Frappé: Carlos Saura (Spanien 1967) (Februar)

The Verdict: Sidney Lumet (USA 1982) (Februar)

Die Galgentoni (Tonka Šibenice): Karl Anton (Tschechoslowakei/Deutschland 1930) (Februar)

Alexandre: Jean-François Amiguet (Schweiz 1983) (Februar)