Filmpodium

Fr, 12.07.2019 |
Nüschelerstrasse 11 | Zürich

Funeral Parade of Roses (Bara no soretsu)

Toshio Matsumoto

Das erste Jahrhundert des Films
In der Dauerreihe «Das erste Jahrhundert des Films» zeigen wir im Lauf von zehn Jahren rund 500 wegweisende Werke der Filmgeschichte. Die Auswahl jedes Programmblocks ist gruppiert nach Jahr­gängen, woraus sich schliesslich 100 Momentaufnahmen des Weltkinos von 1900 bis 1999 ergeben. Referenzzahl ist jeweils der aktuelle Jahrgang, d. h. im Jahr 2019 sind Filme von 1919, 1929, 1939 usw. zu sehen.

Eddie, eine von bösen Rückblenden an eine jugendliche Bluttat geplagte Dragqueen in einem Schwulenclub, liefert sich mit einem alternden Transvestiten eine Schlacht um die Gunst des zwielichtigen Clubbesitzers Gonda – der, wie Eddie nach vollzogenem Beischlaf feststellen muss, sein Vater ist.
Das Spielfilmdebüt des Video- und Performance-Künstlers Toshio Matsumoto, eine parodistische Übertragung des Ödipus-Mythos in Tokios Transvestiten-Szene Ende der 60er-Jahre, ist ein einzigartiges, audiovisuell abstraktes und gleichzeitig explizites politisches und assoziatives Dokument der japanischen Neuen Welle.
«Drogen, Sex, ritueller Selbstmord und ausgestochene Augen in Grossaufnahme – Funeral Parade of Roses ist auch heute noch eines der ungewöhnlichsten Werke des Queer Cinema. Die Themen sind hart und die Bilder unverblümt, werden aber von Toshio Matsumoto dank postmodernem Meta-Kommentar in ihrer Eins-zu-eins-Verstörung gleich wieder ad absurdum geführt. Ein Plot ist schwer zu entziffern, auch wenn sich gegen Ende als Kern ein ödipales Gay-Drama herausschält. Das ‹Was› ist aber auch weniger entscheidend als das ‹Wie›, das ‹mit Wem› und ‹über Wen›, ist Funeral Parade of Roses doch ein beeindruckender Blick in den ‹seedy underbelly› Tokios der Endsechziger über die – und mit der – Transvestiten-Szene Japans, gefilmt in brillantem Schwarzweiss. Die Legende, dass sich Stanley Kubrick von Funeral Parade of Roses für A Clockwork Orange inspirieren liess, ist zumindest hinsichtlich der mit elektronisch verfremdeten Klassik-Klängen unterlegten Fast-Forward-Sequenzen kaum von der Hand zu weisen. Ein bemerkenswertes Stück Kino und eine Erinnerung daran, dass an den Rändern immer die interessanteste Kunst entsteht.» (Christian Ihle, taz.de, 22.10.2018)
«Dieser Film ist berauschend (...). Er vermittelt den Reiz, den Hedonismus und die Gesetzlosigkeit – sowohl sexuell als auch künstlerisch – einer vergangenen Kultur zu erleben. Man spürt dabei auch eine fast tragische Welle von Melancholie: Wo und wann, fragt man sich, wird das Kino jemals wieder so wild werden?» (Jonathan Romney, filmcomment.com, 9.6.2017)

Eddie, a drag queen in a gay club, is plagued by bad flashbacks to a violent crime in his youth. He is battling an aging transvestite for the favour of the shady club owner Gonda – who, as Eddie discovers after their sexual intercourse, is his father.
The feature film debut of the video and performance artist Toshio Matsumoto, a parodic transposition of the Oedipus myth into Tokyo's drag scene at the end of the 1960s, is a unique, audiovisually abstract and at the same time explicitly political and allusive document of the Japanese New Wave.
«Drugs, sex, ritual suicide, and close-ups of gouged-out eyes – Funeral Parade of Roses remains one of the most unusual works of Queer Cinema even today. The themes are tough and the images are harsh, but Toshio Matsumoto's postmodern meta-commentary immediately reduces the disturbing qualities of a literal reading to absurdity. It is hard to make out a plot, even though an oedipal gay drama emerges as the film's nucleus towards the end. But the ‹what› is in fact less important than the ‹how›, the ‹with whom› and ‹about whom›, as Funeral Parade of Roses provides an impressive glimpse into the ‹seedy underbelly› of late-sixties Tokyo – and into Japan's drag scene, filmed in brilliant black and white. The legend that Stanley Kubrick found inspiration for A Clockwork Orange in Funeral Parade of Roses is hard to refute, at least with regard to the fast-forward sequences accompanied by electronically distorted classical music. A remarkable piece of cinema and a reminder that the most interesting art is always created on the fringes.» (Christian Ihle, taz.de, 22/10/2018)
«A heady affair (...). It imparts the thrill of witnessing the hedonism and lawlessness—both sexual and artistic—of a bygone culture. You also feel an almost tragic surge of melancholia watching it: where and when, you wonder, will cinema ever get quite this wild again?» (Jonathan Romney, filmcomment.com, 9/6/2017)

Funeral Parade of Roses / 105 / sw / DCP / Jap/d
Regie: Toshio Matsumoto
Drehbuch: Toshio Matsumoto
Kamera: Tatsuo Suzuki
Musik: Joji Yuasa
Schnitt: Toshie Iwasa
Besetzung: Pita (Eddie), Osamu Ogasawara (Leda), Yoshimi Jo (Jimi), Koichi Nakamura (Juju), Flamenco Umeji (Greco), Saako Oota (Mari), Taro Manji (Nora), Toyosaburo Uchiyama (Guevara), Mikio Shibayama (Philosoph), Wataru Hikonagi (Sabu)

Schweizer Filmwochenschau 1969 / 10 / sw / Digital HD / D

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Filmpodium


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8001 Zürich
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«Einige Szenen sind bewusst als anarchische Provokation gedacht, andere lassen sich als poetische Metaphern deuten – insgesamt attackieren die vieldeutigen Bilder nachhaltig die herkömmlichen Vorstellungen von Ratio und Normalität. An deren Stelle tritt die Logik des Traums, die auflösende Kraft der Fantasie.» (Lexikon des int. Films)
L'âge d'or (Frankreich 1930)
Aus dem verspielten «épater le bourgeois» von Un chien andalou wird jetzt blutiger Ernst:
«Gezeigt wird ein Liebespaar, das am Vollzug seiner Liebe durch die ‹etablierten Ordnungsmächte› gehindert wird. Eine ‹normale› Handlung gibt es allerdings in diesem Film nicht. Die Geschichte einer Amour fou, einer unbedingten, alle Konventionen verachtenden Liebe wird unterbrochen, kontrastiert und kommentiert durch Wochenschaubilder und durch Sequenzen eines Dokumentarfilms über Skorpione. Die ‹Ordnungsmächte› – Kirche, Militär, Familie – werden in berühmt gewordenen Sequenzen attackiert. (…) Der Schluss des Films ist eine deutliche Anspielung auf die ‹120 Tage von Sodom› des Marquis de Sade: Vier Männer verlassen ein Schloss, in dem sie 120 Tage in wildesten Ausschweifungen verbracht haben; einer von ihnen sieht aus wie eine populäre Christus-Darstellung. Dieser Film schockierte die bürgerliche Welt.» (Reclams Filmführer)
Die Vorführung des Films in Paris wurde durch rechtsextreme Krawallmacher gestört; der Polizeipräfekt Chiappe nahm dies zum Vorwand, den Film zu verbieten. Erst 1981 wurde L’âge d’or in Frankreich freigegeben.
Die 4K-Restaurierung wurde von der Cinémathèque française und dem Centre Pompidou, MNAM-CCI/Service du cinéma expérimental, mit Unterstützung von Pathé und Maison de Champagne Piper-Heidsieck, Sponsoren der Cinémathèque française, durchgeführt. Die Arbeiten am Bild wurden im Hiventy-Labor, die am Ton im L.E. Diapason-Studio unter Verwendung der originalen Nitratbild- und Tonnegative und von Sicherungselementen durchgeführt.
Das ursprüngliche Nitratbildnegativ wurde durch Immersion gescannt und das Tonnegativ wurde unter Berücksichtigung des noch unvollkommenen Nachsynchronisationssystems von 1930 wiederhergestellt. Eine damalige Vorführkopie wurde als Referenz für die Lichtbestimmung verwendet. Die Fehler, wie sie bei den Dreharbeiten und der Postproduktion auftreten, wurden bewusst erhalten. Einige der im Zerfall begriffene Einstellungen wurden durch Zwischenkopien aus der 1993 vom Centre Pompidou durchgeführten Analog-Restaurierung ersetzt. Ebenso ermöglichten es die Sicherungselemente, die fehlenden Rollen der Tonspur zu vervollständigen


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