Filmpodium

Mo, 30.03.2020 | 18:15 UHR
Nüschelerstrasse 11 | Zürich

Die missbrauchten Liebesbriefe

Leopold Lindtberg

Das erste Jahrhundert des Films
In der Dauerreihe «Das erste Jahrhundert des Films» zeigen wir im Lauf von zehn Jahren rund 500 wegweisende Werke der Filmgeschichte. Die Auswahl jedes Programmblocks ist gruppiert nach Jahr­gängen, woraus sich schliesslich 100 Momentaufnahmen des Weltkinos von 1900 bis 1999 ergeben. Referenzzahl ist jeweils der aktuelle Jahrgang, d. h. im Jahr 2020 sind Filme von 1910, 1920, 1930 usw. zu sehen.

Viggi Störteler, Kaufmann und Möchtegern-Dichter, muss für einige Zeit verreisen und hofft auf einen geistreichen Briefwechsel mit seiner Frau Gritli, den er publizieren möchte. Überfordert greift Gritli zu einer List: Sie schreibt Viggis Briefe ab, unterzeichnet mit ihrem Namen und steckt sie dem jungen Dorflehrer zu. Dieser antwortet prompt feurig. Gritli leitet seine Ergüsse in ihrem Namen an Viggi weiter, der entzückt ist über die Begabung seiner Gattin – bis der Schwindel auffliegt.
Regisseur Leopold Lindtberg inszenierte Die missbrauchten Liebesbriefe, der auf einer Geschichte aus Gottfried Kellers Novellensammlung «Die Leute von Seldwyla» basiert, mit überraschend charmanter Leichtigkeit. Die Liebeskomödie wurde in Venedig ausgezeichnet und gehört zu den grössten Erfolgen des alten Schweizer Films.
«Die Rollenverteilung ist ausgesprochen glücklich und vereinigt alle Stars aus Film/Theater/Kabarett von diesseits der Saane: Paul Hubschmid und Anne-Marie Blanc (die Rolle des keuschen Gritli verschaffte ihr die Hauptrolle in Gilberte de Courgenay, Anm. der Redaktion), beide von entzückender Natürlichkeit, Alfred Rasser als eitler Verseschmied in der Rolle seines Lebens, Heinrich Gretler, Elsie Attenhofer, Emil Hegetschweiler, Rudolf Bernhard und sogar ein Phänomen wie die Giehse. (…) Die missbrauchten Liebesbriefe weist ein Merkmal auf, das im Schweizer Filmschaffen quasi inexistent ist: Charme. Max Ophüls, der den Film anlässlich seines kurzen Zürich-Aufenthalts im Winter 1940/41 visionierte, war entzückt, ‹gerührt und überrascht, dass hier so etwas entstehen konnte›.» (Hervé Dumont: Geschichte des Schweizer Films, Cinémathèque suisse 1987)
«Das eskapistische Element in der dargestellten kleinbürgerlichen Idylle hatte durchaus Bezug zur martialischen Realität seiner Entstehungszeit. 1940, meinte Lindtberg, ‹war es dem Menschen wichtig, diese vermeintlich ‹heile Welt› zu empfinden, zu sagen: Es wäre schade, wenn sie kaputtginge.›» (film.at)
Die missbrauchten Liebesbriefe / 95 / sw / DCP / Dialekt/d, wahlweise mit Audiodeskription
Regie: Leopold Lindtberg
Drehbuch: Richard Schweizer, Kurt Guggenheim, Leopold Lindtberg, Horst Budjuhn
Autor: Gottfried Keller
Kamera: Emil Berna
Musik: Robert Blum
Schnitt: Käthe Mey
Besetzung: Anne-Marie Blanc (Gritli Störteler), Paul Hubschmid (Wilhelm), Alfred Rasser (Viggi Störteler), Heinrich Gretler (Schulpfleger), Therese Giehse (Marie), Mathilde Danegger (Kätter Ambach), Emil Hegetschweiler (Pfarrer), Elsie Attenhofer (Anneli), Emil Gyr (Beisitzer), Emil Gerber (Beisitzer), Rudolf Bernhard (Apotheker), Adolf Manz (Richter), Schaggi Streuli (früherer Lehrer)

Schweizer Filmwochenschau 1940 / 10 / sw / Digital HD / D

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