Filmpodium

Mi, 09.10.2019 |
Nüschelerstrasse 11 | Zürich

Petit à petit

Jean Rouch (Frankreich 1971)

Black Light
Die diesjährige Retrospektive des Filmfestivals Locarno widmete sich unter dem Titel «Black Light» dem internationalen Black Cinema, zeigte aber nicht nur Filme von Schwarzen. Kurator Greg de Cuir Jr schildert nachstehend die Überlegungen, die ihn bei Auswahl und Zusammenstellung der Filme geleitet haben. Das Filmpodium zeigt mehrheitlich Filme, die in Locarno zu sehen waren. Einzelne Filme wurden gegen andere Raritäten ausgetauscht, die im Schein des «Black Light» hier erstmals zutage treten.

English text below.

«Ein Afrikaner entdeckt mit einem Landsmann in Paris die Grösse, aber auch die Absurdität der westlichen Grossstadt-Zivilisation. Nach zahlreichen Abenteuern in Europa und Amerika kehrt er voller Pläne in seine Heimat zurück. Mit Sinn für Humor und parodistische Möglichkeiten kehrt Cinéma-vérité-Initiator Jean Rouch den ethnologischen Blickwinkel um und zeigt, wie durch die Erfahrung westlicher Kultur die Bedeutung eigener Tradition bewusst wird.» (Lexikon des int. Films)
«Rouchs Filme nahmen nicht nur aktuelle Doku-Fiction-Formate um Jahrzehnte vorweg, sondern etwa in der Perspektiv-Verkehrung von Petit à petit auch aktuelle Theoriedebatten um den Postkolonialismus.» (Ulrich Kriest, film-dienst, 7/2004)
«Ohne eine Komödie zu sein, zeigt Petit à petit eine klar parodistische Absicht, die auch an der Handlung des Films abzulesen ist: Damouré, Inhaber des Bauunternehmens ‹Petit à petit› in Niger, will nach Paris fahren, um zu erfahren, wie die Franzosen in ‹mehrstöckigen Häusern› leben, die er in seinem Land bauen will, um die Hütten zu ersetzen und in die Moderne einzutreten. Als er vor Ort ankommt (wo später sein Freund Lam zu ihm stösst), widmet sich der Möchtegern-Unternehmer einem ätzenden Porträt der französischen Gesellschaft in Form einer Erkundung, die ihn dazu führt, in Begleitung zweier Sekretärinnen und eines Clochards in die Heimat zurückzukehren.» (Nicola Brarda, critikat.com, 6.6.2017)
Die eine Sekretärin wird verkörpert von Safi Faye, die später mit Mossane einen Film über den männlichen Blick auf die schwarze Frau drehen sollte.

Jean Rouch, one of the founding fathers of Cinéma Véritè, reverses his traditional ethnographic approach. His protagonist Damouré, a budding entrepreneur, visits Paris to learn more about multi-story buildings, as he means to enlarge his company headquarters in Niger. His reports on Parisian physiognomy and Western civilization worry his compatriots back home, so they send his buddy Lam after him to investigate. The two friends soon recruit two female secretaries and a bum come back to Niger with them.
One of the secretaries is played by Safi Faye, who would go on to become a filmmaker in her own right (see Mossane).

92 Min. / Farbe / DCP / F/e

zur Website des Veranstalters/der Veranstaltung

Informationen

Besetzung / Künstler

Regie: Jean Rouch
Drehbuch: Jean Rouch
Kamera: Jean Rouch, Philippe Lazay
Musik: Enos Amelolon, Alan Helly, Amicale de Niamey
Schnitt: Josée Matarasso, Dominique Villain
Besetzung: Damouré Zika (Damouré), Lam Ibrahim Dia (Lam), Illo Gaoudel (Illo), Safi Faye (Safi), Ariane Bruneton (Ariane), Philippe Lazay (Clochard)

Veranstaltungsort

Filmpodium


Adresse:

Nüschelerstrasse 11
8001 Zürich
Kasse +41 (0)44 211 66 66
Büro +41 (0)44 412 31 28
info@filmpodium.ch


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«Einige Szenen sind bewusst als anarchische Provokation gedacht, andere lassen sich als poetische Metaphern deuten – insgesamt attackieren die vieldeutigen Bilder nachhaltig die herkömmlichen Vorstellungen von Ratio und Normalität. An deren Stelle tritt die Logik des Traums, die auflösende Kraft der Fantasie.» (Lexikon des int. Films)
L'âge d'or (Frankreich 1930)
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Die Vorführung des Films in Paris wurde durch rechtsextreme Krawallmacher gestört; der Polizeipräfekt Chiappe nahm dies zum Vorwand, den Film zu verbieten. Erst 1981 wurde L’âge d’or in Frankreich freigegeben.
Die 4K-Restaurierung wurde von der Cinémathèque française und dem Centre Pompidou, MNAM-CCI/Service du cinéma expérimental, mit Unterstützung von Pathé und Maison de Champagne Piper-Heidsieck, Sponsoren der Cinémathèque française, durchgeführt. Die Arbeiten am Bild wurden im Hiventy-Labor, die am Ton im L.E. Diapason-Studio unter Verwendung der originalen Nitratbild- und Tonnegative und von Sicherungselementen durchgeführt.
Das ursprüngliche Nitratbildnegativ wurde durch Immersion gescannt und das Tonnegativ wurde unter Berücksichtigung des noch unvollkommenen Nachsynchronisationssystems von 1930 wiederhergestellt. Eine damalige Vorführkopie wurde als Referenz für die Lichtbestimmung verwendet. Die Fehler, wie sie bei den Dreharbeiten und der Postproduktion auftreten, wurden bewusst erhalten. Einige der im Zerfall begriffene Einstellungen wurden durch Zwischenkopien aus der 1993 vom Centre Pompidou durchgeführten Analog-Restaurierung ersetzt. Ebenso ermöglichten es die Sicherungselemente, die fehlenden Rollen der Tonspur zu vervollständigen


(Oktober)

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