Filmpodium

Sa, 25.01.2020 | 20:45 UHR
Nüschelerstrasse 11 | Zürich

Dragnet Girl (Hijosen no onna)

Yasujiro Ozu (Japan 1933)

Stummfilmfestival 2020
Martin Girod, ehemaliger Koleiter des Filmpodiums, hat unser jährliches Stummfilmfestival erschaffen und bisher hauptsächlich kuratiert. 2020 übernimmt er zum letzten Mal die Federführung, und zwar mit Verve. Live begleitet werden diese Meilensteine wie immer von einer erlesenen Garde von Musikerinnen und Musikern, die jede Filmvorführung zum einmaligen Event machen.

English text below

«Ozu, oft missverständlich als der ‹japanischste› aller Regisseure bezeichnet, hat aus seiner Bewunderung für Hollywood nie ein Hehl gemacht, besonders in seinen frühen Werken. Seine augenfälligste Hommage an das Amerika der Gangster ist – wie die kosmopolitische Hafenstadt Yokohama, in der sie spielt – ein faszinierendes Beispiel der Begegnung von Ost und West. (...) Tokikos ehrbarer Tagesjob in einer Schreibstube subventioniert den Lebensstil des zweitklassigen Gangsters und ehemaligen Boxmeisters Jyoji, dessen Gangsterbraut sie spielt. Gemeinsam herrschen sie über eine verrauchte Halbwelt von Cocktailbars und verschwitzten Boxhallen im amerikanischen Stil, frei von fast jedem japanischen Element ausser den Gesichtern der Schauspieler, bis Jyoji die traditionellere jüngere Schwester eines seiner neuen Komplizen ins Auge fasst.» (Jasper Sharp, BFI, Jan. 2017)
Dragnet Girl – der japanische Originaltitel bedeutet wörtlich übersetzt: Eine Frau in der Gefahrenzone – zeigt, wie bei Ozu die Verarbeitung dieses Einflusses – etwa der Gangsterfilme Josef von Sternbergs – und das Entwickeln eines eigenen Stils Hand in Hand gingen.
«Tagsüber arbeitet Tokiko als Schreibkraft in einem Büro, doch sie lebt mit Jyoji zusammen, dem Boss einer unbedeutenden Verbrecherbande. Der Student Hiroshi schliesst sich der Bande an und Jyoji fühlt sich von Hiroshis Schwester Kazuko angezogen (...) Das ist tatsächlich einer von Ozus ansprechendsten Filmen, vor allem aufgrund seiner Verwendung von Gangsterfilm-Konventionen.» (David Bordwell: Ozu and the Poetics of Cinema, Princeton University Press 1988)
Die Hauptdarstellerin Kinuyo Tanaka wurde dank ihrer wiederholten Zusammenarbeit mit Ozu und Kenji Mizoguchi zu einem der grössten japanischen Stars und führte selbst bei sechs Filmen Regie. Das Locarno Festival 2020 widmet seine Retrospektive Kinuyo Tanaka, und mehrere ihrer Filme werden im Oktober/November-Programm auch im Filmpodium zu sehen sein.

«The director all too often misleadingly referred to as the most ‹Japanese› of filmmakers never kept his love of Hollywood a secret, especially in his early works made at Shochiku’s Kamata studios. His most obvious homage to gangland Americana is, like the cosmopolitan port city of Yokohama where it is set, a fascinating example of east meets west. (...) Tokiko's respectable daytime employment in an office typing pool subsidises the lifestyle of the low-rent lawbreaker and former boxing champ Jyoji, to whom she plays moll. Together they reign over a smoky demimonde of American-styled cocktail bars and sweaty boxing gyms, expunged of almost every Japanese element save for its actors’ faces, before Jyoji’s eye begins to rove to the more traditional younger sister of one of his new hoods.» (Jasper Sharp, BFI, Jan. 2017)
«By day Tokiko works as a typist, but she lives with Jyoji, the leader of a small-time gang. Hiroshi, a student, joins the gang, and Jyoji becomes attracted to Hiroshi's sister Kazuko. (...) It is indeed one of Ozu's most appealing films, chiefly because of its use of gangster-film conventions.» (David Bordwell: Ozu and the Poetics of Cinema, Princeton 1988)
100 Min. / sw / 35 mm / Stummfilm, jap +e Zw'titel

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Informationen

Besetzung / Künstler

Stummfilm mit Maud Nelissen am Flügel

Veranstaltungsort

Filmpodium


Adresse:

Nüschelerstrasse 11
8001 Zürich
Kasse +41 (0)44 211 66 66
Büro +41 (0)44 412 31 28
info@filmpodium.ch


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«Zweiter Teil von Rohmers sechsteiligem Zyklus ‹Moralische Geschichten›, der inszenatorisch noch nicht vollkommen ist, jedoch Handschrift und Absicht des Regisseurs erkennen lässt: Rohmer feiert den Sieg des ‹moralischen Instinkts› gegen das berechnende Kalkül. Eine intellektuelle Übung voller psychologischer Arabesken.» (Lexikon des int. Films)
La boulangère de Monceau (Frankreich 1963)
«Einfach, delikat und jazzig: Schon die erste der ‹Moralischen Geschichten› lässt erahnen, was den Rohmerschen Stil später auszeichnen wird: eine unspektakuläre, naturalistische Kameraarbeit, das ironische Voice-over des Ich-Erzählers und das Bild der ‹unergründlichen› Frau. Ein Jurastudent mit einem Auge für schöne Frauen und einem grossen Appetit stopft sich täglich mit Süssigkeiten und Gebäck voll, um die Aufmerksamkeit der hübschen brünetten Verkäuferin in einer altmodischen Pariser Bäckerei auf sich zu lenken. Doch ist er wirklich interessiert oder sucht er nur eine süsse Abwechslung?» (Criterion Collection)
La sonate à Kreutzer (Frankreich 1956)
Ein junger, erfolgreicher Architekt beschliesst zu heiraten und wählt dafür in einem Jazzkeller, den er regelmässig besucht, eine unauffällige junge Frau aus, für die er allerdings nichts Besonderes empfindet. Sie entfremden sich rasch, und bald hat er sie im Verdacht, heimlich einen Kritiker zu treffen, den er ihr vorgestellt hatte. Um Gewissheit zu erlangen, stellt er ihnen eine Falle.
Neben Éric Rohmer in der Titelrolle und Jean-Luc Godard, der den Film produziert hat, tauchen auch andere legendäre Cineasten jener Zeit wie Claude Chabrol und François Truffaut kurz auf.
Bis 2013, als das CNC den Film restaurierte, war er nur zweimal in Arbeitskopien zu sehen.
(Februar)

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L'ami de mon amie: Éric Rohmer (Frankreich 1987) (Februar, März)

Tomka and His Friends (Tomka dhe shokët e tij): Xhanfise Keko (Albanien 1977) (Februar, März)

All Quiet on the Western Front: Lewis Milestone (USA 1930) (Februar, März)

L'arbre, le maire et la médiathèque: Éric Rohmer (Frankreich 1993) (Februar, März)

Le rayon vert: Éric Rohmer (Frankreich 1986) (Februar, März)

Zauberlaterne (Februar)

Cold November (Nëntor i ftohtë): Ismet Sijarina (Februar, März)

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L'âge d'or: Luis Buñuel (Frankreich 1930) (März)

The Bride and the Curfew & The River That Never Runs Dry: The Bride and the Curfew (Albanien 1978)
Albanien während der deutschen Besetzung. Shpresa ist eine beherzte junge Partisanin, die nicht davor zurückschreckt, Kollaborateure zu töten. Vor allem aber stört sie die Nazis, weil sie überall in der Stadt politische Graffiti anbringt. Der neue deutsche Kommandant beschliesst, hart durchzugreifen. Er verhängt eine Ausgangssperre, riegelt die Stadt nach aussen ab und lässt überall nach Shpresa suchen. Die Widerstandskämpfer sehen nur eine Chance: Sie müssen Shpresa aus der Stadt schmuggeln, indem sie sie als Braut verkleiden. Ein riskantes Unterfangen ...
Aufgrund eines Drehbuchs von Ismail Kadares Frau Elena Kadare haben Kristaq Mitro und Ibrahim Muçaj einen rasanten und atmosphärischen Kriegsfilm inszeniert, der von Kujtim Laro mit fast Western-mässiger Musik untermalt ist. Wohl nicht ganz zufällig steht eine heldenhafte Frau im Mittelpunkt, die ihren männlichen Kampfgenossen in keiner Weise nachsteht. (mb)

The River That Never Runs Dry (Albanien 1989)
In einem verwüsteten winterlichen Bergdorf, wo nur noch ältere Witwen zu leben scheinen, verbergen sich versprengte Partisanen auf dem Rückzug vor den anrückenden Deutschen. Ein Paar nimmt einen kleinen verwaisten Jungen in seine Obhut, aber der Kleine weint und erregt die Aufmerksamkeit der Deutschen. Mit wenig Dialog, starken Bildern und viel Atmosphäre schildert Fatmir Koçi in seinem Diplomfilm eine düstere Episode aus dem Zweiten Weltkrieg. Das wurde dem Film von Viktor Gjika, dem regimetreuen Chef der albanischen Filmproduktion, angekreidet; er verlangte eine heldenhaftere Darstellung der Partisanen und mehr tote Nazis. Im Wendejahr 1989 foutierte sich der Filmemacher aber um Gjikas Anweisung und brachte den Film unverändert heraus. (mb)

(März)

12 Angry Men: Sidney Lumet (USA 1957) (März)

Les coquelicots sur les murs (Lulkuqe mbi mure): Dhimitër Anagnosti (Albanien 1976) (März)

Conte d'hiver: Éric Rohmer (Frankreich 1992) (März)

Magic Eye (Syri magjik): Kujtim Çashku (Albanien/Deutschland 2005) (März)

Podiumsdiskussion: Albanien im Film (März)

Tirana, année zéro (Tirana viti 0): Fatmir Koçi (März)

Sous les toits de Paris: René Clair (Frankreich 1930) (März)

Colonel Bunker (Kolonel Bunker): Kujtim Çashku (März)

Conte d'été: Éric Rohmer (Frankreich 1996) (März)

Im Kampf mit dem Berge: Arnold Fanck (Deutschland 1921) (März)

L'Anglaise et le duc: Éric Rohmer (Frankreich 2001) (März)

The Captain (Kapedani): Muharrem Fejzo, Fehmi Hoshafi (Albanien 1972) (März)

Generalversammlung Lumière (März)

Song of the Sea: Tomm Moore (Irland/Dänemark/Belgien/Luxemburg/Frankreich 2014) (März)