Filmpodium

Sa, 10.10.2020 | 20:45 UHR
Nüschelerstrasse 11 | Zürich

House of Flying Daggers (Shi mian mai fu)

Zhang Yimou (China/Hongkong 2004)

Zhang Yimou
Es gibt wohl keinen Regisseur, der die vielfältigen Entwicklungen der letzten 35 Jahre im Filmschaffen der Volksrepublik China so gut verkörpert wie der 1950 (oder, je nach Quelle, 1951) geborene Zhang Yimou. Sein Œuvre umfasst sowohl ethnografische Arthouse-Filme als auch kommerzielle Mainstreamproduktionen. Veränderungen im Filmwesen hat sich Zhang nicht nur angepasst, zum Teil hat er sie sogar mitinitiiert, doch ist es ihm dabei gelungen, seiner Handschrift und seinem künstlerischen Credo treu zu bleiben.

»Abenteuerliches Melodram um eine blinde Tänzerin, die heimlich einer Untergrundorganisation angehört und gegen einen tyrannischen Herrscher antritt, wobei ihre Liebe und ihre Glückshoffnungen von der unerbittlichen Macht der Geschichte zerstört werden. Das grandiose Drama verbindet furiose Martial-Arts-Duelle und Verfolgungsjagden mit einer ausgefeilten Bildsprache und besticht nicht zuletzt durch schiere Schönheit. Reich an Bezügen zur alten chinesischen Malerei sowie zur Ästhetik der Peking-Oper, fesselt der Film zudem durch seine eigenwillige Landschaftspoetik sowie seine durchdachte Farbdramaturgie, die das Geschehen kommentiert und vertieft.» (Lexion des int. Films)

«Im Jahr 859, die Tang-Dynastie ist im Begriff zu zerfallen, begegnet man der blinden Tänzerin Mei. Bald stellt sich heraus, dass sie in Kontakt mit der Oppositionsgruppe ‹House of Flying Daggers› steht, die aus dem Untergrund die Herrscher bekämpft. Zunächst gefangen genommen, lässt die Obrigkeit sie zum Schein aus dem Gefängnis befreien. Auf der Flucht verliebt sich ihr Befreier, der im Dienst der Polizei steht, in sie. Als beide den Sitz der Untergrundbewegung erreichen, eskalieren die Ereignisse. (…)
Weit mehr als der Plot zählt, wie ihn Zhang inszeniert. Gleich zu Beginn steht eine hochgradig artifizielle, wunderbar ausgefeilte Sequenz: Umringt von 100 Männern, die kleine Trommeln halten, tanzt Mei, gekleidet in ein Kleid aus goldener Seide, durchwirkt mit türkisen Farbtönen. Mit ihrem Schal bedient sie die Trommeln. Kinomodernität und CGI-Technik treffen auf Farben, Orte und Themen des chinesischen Mittelalters, Martial-Arts-Choreografie verschmilzt mit dem stilisierten Spiel der Peking-Oper. Ganz anders geht es dann weiter: Ritte durch wilde Natur, Verfolgungsjagden im grünen Wald, einem klassischen Thema des chinesischen Kinos. Die Farben spiegeln den Verlauf der Geschichte: sattes Waldgrün, Brauntöne und Herbstfarben, kurz eine gelbe, blumenbeschmückte Wiese, das Hellgrün eines Bambuswaldes, in dem einer der spektakulärsten Martial-Arts-Kämpfe stattfindet, der eine berühmte Szene aus King Hus A Touch of Zen sowie Ang Lees Crouching Tiger, Hidden Dragon zitiert. Dann, am Ende, eine Winter-Szenerie: Weiss ist in China die Farbe der Trauer. Der Farbgebrauch ist hier ähnlich programmatisch wie in Hero, und doch sieht bei allen Ähnlichkeiten der Film völlig anders aus. Zum einen, weil die Farben anders sind und weniger Primärtöne dominieren; zum anderen, weil Szenerie und Schauplätze authentischer, ‹realistischer› sind. Wie im Western feiern die Blicke der Kamera die Landschaft, erobern den Raum – mitunter möchte man sich in ihnen verlieren. House of Flying Daggers ist grandiose Unterhaltung, ein ekstatisches Fest aus Seide, Blut und Bewegung, Kino als Kinese.» (Rüdiger Suchsland, filmdienst.de)
119 Min. / Farbe / 35 mm / OV/d/f

zur Website des Veranstalters/der Veranstaltung

Informationen

Daten und Tickets

10.10.2020
20:45 - 22:44 UHR

14.10.2020
18:00 - 19:59 UHR

Besetzung / Künstler

Regie: Zhang Yimou
Drehbuch: Li Feng, Wang Bin, Zhang Yimou
Kamera: Zhao Xiaoding
Musik: Shigeru Umebayashi
Schnitt: Cheng Long
Besetzung: Takeshi Kaneshiro (Jin), Andy Lau (Leo), Zhang Ziyi (Xiao Mei), Song Dandan (Yee)

Veranstaltungsort

Filmpodium


Adresse:

Nüschelerstrasse 11
8001 Zürich
+41 (0)44 415 33 66
info@filmpodium.ch


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English text below

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Mary Louise Brooks, born in Kansas in 1906, grew up with a mother who was a sophisticated lover of the arts and a feminist, whose parenting skills, however, were less than impressive. Abused by a neighbor at the age of nine, which had a lasting influence on her attitude to sex and men, Louise soon made a name for herself as a gifted dancer. At the age of 15, she moved to New York with a chaperone and joined the avant-garde Denishawn Company. In 1925, she got into film by way of the Ziegfeld Follies; by 1938 she left cinema behind and tried to reinvent herself. Hugh Munro Neely's documentary traces Brooks' unique life.
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