Filmpodium

Mi, 21.10.2020 | 15:00 UHR
Nüschelerstrasse 11 | Zürich

Der Fluch der goldenen Blume (Man cheng jin dai huang jin jia)

Zhang Yimou (China/Hongkong 2006)

Zhang Yimou
Es gibt wohl keinen Regisseur, der die vielfältigen Entwicklungen der letzten 35 Jahre im Filmschaffen der Volksrepublik China so gut verkörpert wie der 1950 (oder, je nach Quelle, 1951) geborene Zhang Yimou. Sein Œuvre umfasst sowohl ethnografische Arthouse-Filme als auch kommerzielle Mainstreamproduktionen. Veränderungen im Filmwesen hat sich Zhang nicht nur angepasst, zum Teil hat er sie sogar mitinitiiert, doch ist es ihm dabei gelungen, seiner Handschrift und seinem künstlerischen Credo treu zu bleiben.

Farbenprächtiges Drama, angesiedelt am Hof des chinesischen Kaisers im Jahr 928: Der Herrscher und seine ihm entfremdete Ehefrau planen ihre wechselseitige Ermordung, wobei das blutrünstige Vorhaben durch das bewegte Vorleben des Kaisers beeinträchtigt wird. Der höchst artifizielle Bilderbogen breitet Leidenschaften und Vernichtungsbereitschaft im Stil der Königsdramen eines William Shakespeare aus. (…)
Zum dritten Mal in fünf Jahren wendet sich der chinesische Regisseur Zhang Yimou (…) dem Martial-Arts-Film zu. Dieses in China traditionsreiche Genre blüht derzeit wie schon lange nicht mehr. Zugleich ist es mit Filmen wie Chen Kaiges Wu Ji – Die Reiter der Winde und Feng Xiaogangs The Banquet, die in der Volksrepublik viele Millionen ins Kino lockten und zu den erfolgreichsten Werken der chinesischen Filmgeschichte gehören, in eine neue, sozusagen neobarocke Phase getreten: Überladene Tableaus, zu bewegten Ornamenten choreografierte und entindividualisierte Statistenmassen, betonte Körperlichkeit, opernhafte und an chinesische Bühnentraditionen angelehnte Gestensprache und insgesamt eine starke Stilisierung prägen dieses extrem aufwendige Ausstattungskino, das seine märchenhaften, fiktiven Handlungen mit todesverachtenden Helden, strengen Fürsten, schönen wie bösen Prinzessinnen zumeist vor dem Hintergrund historischer Ereignisse erzählt. (…)
Vor allem ist es aber ein Film über die Natur von Passionen. Denn sowohl der Kaiser wie seine Frau, die hier bis aufs Blut und schliesslich mit dem Blutdurst und einer Vernichtungsbereitschaft, wie man sie aus Shakespeares Königsdramen kennt, gegeneinander und ums eigene Überleben kämpfen, sind keine kühlen Machtmenschen. Sie lieben und hassen, sind stolz, rachsüchtig und selbstzerstörerisch. Während der Film dies ausmalt und in subtile, oft unausgesprochene Details zerlegt, betont Zhang doch immer, wie gefährlich und letztlich nicht ernst zu nehmen solche Leidenschaften sind. Indem er einerseits die Freiheit der Gefühle feiert, andererseits stoische Zurückhaltung als das erfolgreichere Konzept darstellt, steht Zhang weiterhin in der Tradition seiner Generation und seines eigenen Filmemachens, das das Festhalten an Individualität schon immer mit Wachsamkeit gegenüber Autoritäten paarte, im Bewusstsein, dass der Wind sich schnell drehen kann. (…)
Nicht zu unterschätzen ist die Komik des Films: Dialoge wie Gesten unterminieren erkennbar das Melodram und legen die schwarze Komödie im Zentrum frei. Indem Zhang hier von der Dekadenz alter Eliten und neuer Aufsteiger erzählt, indem er die Depression inmitten von Reichtum und Konsum, die Abgründe einer Überflussgesellschaft sinnlich vor Augen führt, erzählt sein Film auch eine aktuelle Geschichte über das neureiche China der Gegenwart. Das Fazit ist überaus pessimistisch. Jenseits solcher, keineswegs zwingender politischer Konnotationen ist Der Fluch der goldenen Blume nicht zuletzt ein vergnüglicher Film, hochästhetisch – und visuell selbstverständlich over the top.» (Rüdiger Suchsland, filmdienst.de)
111 Min. / Farbe / 35 mm / OV/d/f

zur Website des Veranstalters/der Veranstaltung

Informationen

Daten und Tickets

21.10.2020
15:00 - 16:51 UHR

24.10.2020
20:45 - 22:36 UHR

03.11.2020
20:45 - 22:36 UHR

Besetzung / Künstler

Regie: Zhang Yimou
Drehbuch: Bian Zhihong, Wu Nan, Zhang Yimou
Autor: Cao Yu
Kamera: Zhao Xiaoding
Musik: Shigeru Umebayashi
Schnitt: Cheng Long
Besetzung: Chow Yun-Fat (Kaiser Ping), Gong Li (Kaiserin Phönix), Chou Jay (Prinz Jai), Liu Ye (Kronprinz Wan), Ni Dahong (Jiang, kaiserlicher Arzt), Qin Junjie (Prinz Yu), Li Man (Jiang Chan), Chen Jin (Frau Jiang), Aaron C. Shang (Prinz Liang)

Veranstaltungsort

Filmpodium


Adresse:

Nüschelerstrasse 11
8001 Zürich
+41 (0)44 415 33 66
info@filmpodium.ch


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English text below

Mary Louise Brooks, 1906 in Kansas geboren, wuchs mit einer kulturell und feministisch engagierten, erzieherisch aber weniger begabten Mutter auf. Mit neun Jahren von einem Nachbarn missbraucht, was ihr Verhältnis zu Sex und Männern prägte, machte Louise bald als Tanztalent von sich reden. Als 15-Jährige zog sie mit einer Anstandsdame nach New York und trat der avantgardistischen Denishawn Company bei. Über die Revue Ziegfeld Follies kam sie 1925 zum Film; 1938 liess sie das Kino hinter sich und versuchte sich neu zu erfinden. Hugh Munro Neelys Dokumentarfilm zeichnet Brooksʼ einzigartigen Lebensweg nach. (mb)

Mary Louise Brooks, born in Kansas in 1906, grew up with a mother who was a sophisticated lover of the arts and a feminist, whose parenting skills, however, were less than impressive. Abused by a neighbor at the age of nine, which had a lasting influence on her attitude to sex and men, Louise soon made a name for herself as a gifted dancer. At the age of 15, she moved to New York with a chaperone and joined the avant-garde Denishawn Company. In 1925, she got into film by way of the Ziegfeld Follies; by 1938 she left cinema behind and tried to reinvent herself. Hugh Munro Neely's documentary traces Brooks' unique life.
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