© The Estate of Heidi Bucher, courtesy of the Estate of Heidi Bucher and Lehmann Maupin, New York, Hong Kong, Seoul and London, Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

Sonntagswanderung durch die «Seelenlandschaften»

Eine Bergtour durch die Psychogeografie der Schweiz und hin zu C.G. Jungs «Das Rote Buch». Die Ausstellung im Landesmuseum Zürich eröffnet Weitsicht!

1911 findet in Weimar der dritte Internationale Psychoanalytische Kongress statt. C. G. Jung leitet das Treffen. Zum ersten Mal sind Frauen dabei, so z.B. Lou Andreas-Salomé und Emma Jung. © Familienarchiv Jung, Küsnacht
1911 findet in Weimar der dritte Internationale Psychoanalytische Kongress statt. C. G. Jung leitet das Treffen. Zum ersten Mal sind Frauen dabei, so z.B. Lou Andreas-Salomé und Emma Jung. © Familienarchiv Jung, Küsnacht

Wir benötigen erstmals eine Verschnaufpause. Doch bereits nach einem kleinen Anstieg ums Eck eröffnet sich uns eine unglaubliche Weitsicht. Es zeigt sich eine Psychogeographie der Schweiz, die fasziniert. So manche bedeutende Person aus Kunst und Kultur liess sich im Land der dunklen Wälder und stillen Seen therapieren. Von Robert Walser, Annemarie Schwarzenbach über Bertha Pappenheim. Und die Einflüsse der Schweizerischen Seelenlandschaften reichen weit über die Grenzen des Landes hinaus, wie sich am Beispiel der Situationisten in Frankreich zeigt. Alle diese Verflechtungen verdichten sich zu einem reissenden Fluss, der bis in die Gegenwart reicht.

Es dämmert langsam über dem Tal. Wir erkennen allmählich, wieso Jungianische Symbole und Archetypen in etlichen Werken der zeitgenössischen Kunst, Literatur und sogar in Hollywood-Filmen auftauchen. Es ist ein Bewusstwerden von all dem, das unser heutiges Selbstverständnis geprägt hat. Und ein Erklärungsansatz, wieso Begrifflichkeiten wie «das innere Kind» oder «shadow work» die Alltagssprache der heutigen Jugend mitprägen. Psychotherapie und Psychiatrie waren wohl noch nie so enttabuisiert wie heute. Die Seelenlandschaften beeinflussen die Geschichten, die wir uns erzählen. Und diese wiederum wirken in uns und unserer Umwelt.

Keyvisual der Ausstellung «Seelenlandschaften. C.G. Jung und die Entdeckung der Psyche in der Schweiz». Neunte Tafel des Rorschachtests, Hermann Rorschach, Bern, 1921. Archiv Hermann Rorschach, Archiv für Medizingeschichte der Universität Bern

Landesmuseum Zürich

Seelenlandschaften

Zum 150. Geburtstag von C. G. Jung präsentiert das Landesmuseum erstmals eine umfassende Ausstellung zur Geschichte der Entdeckung der Psyche in der Schweiz.

Dauerausstellung

Über eine kleine Brücke zur Gegenwart ist es nur noch ein kurzes Stück, bis man die Hütte erreicht hat. Die gemütliche Stube mit Sitzlandschaft lädt zum Verweilen und Reflektieren ein. Hier kommen junge Leute zu Wort. Sie erzählen, wie sie mit den Herausforderungen des modernen Lebens umgehen. Und praktizierende Therapeut:innen beleuchten, wie gesellschaftliche Entwicklungen unsere mentale Gesundheit prägen. Ein gelungener Abschluss für diese Sonntagswanderung.

Der Rückweg zur Eingangshalle erfolgt über den Treppenabgang links.

Technische Daten zur Route:
Anforderung: T2
Distanz: 200 Jahre Schweizer Geschichte
Aufstieg: 4 Stockwerke
Abstieg: in die Tiefen der Seele
Tiefster Punkt: Zwangsjacke
Höchster Punkt: Das Rote Buch
Beste Jahreszeit: Dez, Jan, Feb 2026
Routenplaner: Publikation zur Ausstellung «Seelenlandschaften. C. G. Jung und die Entdeckung der Psyche in der Schweiz»

Ein Blick in die Ausstellung. © Schweizerisches Nationalmuseum
Ein Blick in die Ausstellung. © Schweizerisches Nationalmuseum

Von Raphaela T. Ernst am 11. Dezember 2025 veröffentlicht.

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