© Marcel Rickli

Er sagt | Sie sagt: Hafermilchfarbene Worte

Im Kellertheater Winterthur treffen die Sprachgewalt von Julia Weber und ein spielfreudiges Duo zum Beispiel auf Wölfe.

Er sagt:

Das Kellertheater Winterthur war für mich immer die Bühne mit der Säule im Weg. In der Mitte des kleinen Raumes prangt nämlich eine massige Holzsäule und als ich als Gymischüler zum ersten Mal in diesen Keller geschleppt wurde, stand die exakt zwischen Bühne und Publikum.

Die Inszenierung hat das dann nicht thematisiert, es taten alle so, als wäre die Säule nicht da. Und ja, die auf der Bühne waren bestimmt Profis im So-tun-als-ob, aber dass da keine Säule sei, das nahm ihnen niemand ab.

Nun, als gereifter Mann, habe ich mich wieder ins Kellertheater hinab gewagt und siehe da: Es war gemütlich. Diesmal stand die Bühne neben statt hinter der Säule und auf der kleinen Spielfläche entspann sich ein erdfarbener Mikrokosmos der brüchigen Gefühle.

Normalerweise suche ich beim Schreiben die Eindeutigkeit, aber die Texte von Julia Weber haben mich inspiriert. Deshalb auch «erdfarben», denn in dem Stück werden Farben nicht bei ihrem Namen genannt, sondern vergleichend: Bernsteinfarben, hafermilchfarben und sogar samtfarben.

Die zwei Figuren auf der Bühne sind sich von Beginn weg eigenartig fremd, obschon offenbar bekannt, und sprechen die im Laufe des Probeprozesses entstandenen Texte über weite Strecken monologisch. Dass das trägt, ist dem hervorragenden Schauspiel zu verdanken.

In der zweiten Hälfte des Stücks kommen die beiden endlich ins Gespräch – und dennoch nicht vom Fleck. Ich sah in dem Werk einen einfühlsamen Einblick in die Gedankenwelt zweier Menschen, die sich seltsam unverbunden zur Welt und sich selbst fühlen. Das Programmheft sah was anderes, stellte ich im Nachhinein fest. Aber so ist das mit poetischen Texten: Sie lassen Deutungsspielraum offen.

Manche mögen «Zum Beispiel Wölfe» allzu rätselhaft finden, andere werden verträumt versinken in der driftenden Suche nach Halt.

Zum Beispiel Wölfe

Kellertheater Winterthur

Zum Beispiel Wölfe

Seit jeher setzte sich der Mensch zur Natur in ein Spannungsverhältnis, das derzeit seiner wohl extremsten Belastungsprobe ausgesetzt ist. Seit wann fühlt ...

Von Rebekka & Sebastian am 22. Januar 2026 veröffentlicht.

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