Thomas Gugielmetti © Nils Lucas

Auf der Jagd nach dem nächsten Stück

Ein gutes Stück macht noch keinen Spielplan. Thomas Guglielmetti, Programmleiter am Theater Winterthur, über die Suche nach den passenden Geschichten.

Thomas Gugielmetti © Nils Lucas
Thomas Gugielmetti © Nils Lucas

Die Leidenschaft fürs Theater erwachte bei Thomas, als er nach seiner Ausbildung zum Elektroniker die Matura auf dem zweiten Bildungsweg in Angriff nahm. Anstelle der vielen Romane, die er für die Schule hätte lesen sollen, zog er Theaterstücke vor, denn diese waren deutlich kürzer. «So habe ich für den gleichen Zeitaufwand viel mehr Geschichten bekommen», sagt er mit einem Schmunzeln. Doch nicht nur das, er fand Gefallen daran – vor allem an Schiller. Es folgte ein Germanistikstudium in Basel und ein Studium der Theaterwissenschaften in Bern, nebenbei verdiente er sich seinen Lebensunterhalt als Elektroniker, bis er etliche Engagements rund ums Theater übernehmen konnte. Wollte er einen Job, dann legte er sich ins Zeug, um ihn zu bekommen. Egal ob als Regieassistent, Dramaturg oder in der Tontechnik. Kontakteknüpfen, das war seine Währung. Dafür war er mit dem GA in der ganzen Schweiz unterwegs. Auch im Ausland machte er seine Erfahrungen, etwa in Stuttgart. Und in Mainz: Dort habe er alles gelernt, was er heute brauche. Wie ein Schauspiel abläuft, wie ein Orchester funktioniert, wie man mit Chorleuten kommuniziert. Die verschiedenen Sparten – Schauspiel, Oper, Tanz, Kinder- und Jugendtheater –, alle hätten ihre Eigenheiten. «Damals drehte sich rund um die Uhr alles ums Theater, ich glaube, es war auch eine ungesunde Zeit», erinnert er sich. Doch für ihn zahlte sie sich aus.

 

«Rund um die Uhr drehte sich alles ums Theater, ich glaube, es war auch eine ungesunde Zeit.»

– THOMAS GUGLIELMETTI

 

So brachte Thomas viel Expertise mit, als er 2010 die Stelle als Programmleiter beim Theater Winterthur antrat. Ihm wurde schnell klar, dass für das Winterthurer Publikum der Titel und die Autor:innen oder Komponist:innen im Mittelpunkt eines Stückes stehen. Diese geben den Zuschauer:innen einen Anknüpfungspunkt und etwas, worauf sie sich freuen können. Bei Tanzaufführungen sei das anders, dort ist für Thomas die Musik ausschlaggebend: «Wenn die Musik vollkommen avantgardistisch und schräg ist, dann muss man sichergehen, dass das Niveau der Kompanie besonders hoch ist.»

Was Thomas am Theater besonders gut gefällt, ist der Live-Moment. Egal, wie gut das Stück geschrieben ist, auf der Bühne performen die Schauspieler:innen, Tänzer:innen und Sänger:innen ohne jegliches Sicherheitsnetz. Wie schwierig das ist, hat der Kurator schon am eigenen Leib erfahren, als er einst von einem Intendanten dazu überredet wurde, einen Schweizer Freier im Drama «Lulu» zu spielen. Den Text auswendig zu lernen, fiel ihm damals nicht leicht: «Ich brauche heute noch für jede kleine Ansage einen Zettel.» Umso mehr zeigte ihm diese Erfahrung, wie viel Arbeit hinter den Auftritten der Künstler:innen steckt.

Von Zeit zu Zeit will Thomas den Theaterbesucher:innen auch unbekanntere Stücke näherbringen. Wie etwa das Stück «Die Wurzel aus Sein» des libanesisch-kanadischen Autors und Regisseurs Wajdi Mouawad, welches das Burgtheater am 13. und 14. Januar 2027 in Winterthur zeigt: «Es ist einfach das Beste, was ich in diesem Jahr gesehen habe.»

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Von Coucou Kulturmagazin am 22. Oktober 2026 veröffentlicht.

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