Der melancholische Romantiker

Zu Caspar David Friedrichs 250. Geburtstag zeigt das Kunst Museum Winterthur noch vor Berlin und New York viele seiner wichtigen Werke.

Zu Caspar David Friedrichs 250. Geburtstag zeigt das Kunst Museum Winterthur noch vor Berlin und New York viele seiner wichtigen Werke.

Seine Bilder zeigen karge Natur, einsame Menschen in rauer Landschaft, aber auch Engel, die vor einer in Licht getauchten Kathedrale zusammen beten, einen Mönch am Meer und vom Mond beschienene gotische Ruinen im dunklen Wald. Er war zu Lebzeiten für die einen vor allem ein Landschaftsmaler, andere sahen in ihm einen spirituellen und frommen Mystiker, Dichter wie Johann Wolfgang von Goethe und Clemens Brentano begeisterten sich für seine Arbeit als die eines Romantikers, der Seelenzustände spiegelt.

Er war eine Zeitlang ausserordentlich beliebt, aber gegen Ende seines Lebens wurden seine Bilder von Zeitgenossen als Darstellung absoluter Leere kritisiert, es fehle ihnen an tieferer Bedeutung und einem Inhalt jenseits der Melancholie. Seine Romantik kollidierte mit dem neuen, aufkommenden Realismus, bald konnte er seine Werke kaum noch verkaufen, er starb verarmt, und die Kunstgeschichte vergass ihn.

Erst das 20. Jahrhundert mit seiner Vorliebe für den Minimalismus und die Darstellung der Verlorenheit des Menschen entdeckte ihn wieder. Friedrich sei seiner Zeit weit voraus gewesen, hiess es jetzt. Heute ist er vor allem Friedrich, der Naturbewegte, der mit ikonografischen Bildern wie dem «Wanderer über dem Nebelmeer» und den «Kreidefelsen auf Rügen» viele Menschen begeistert. Sie bilden auch das Zentrum der Ausstellung im Kunst Museum Winterthur und werden flankiert von Arbeiten seiner Wegbereiter wie Claude Lorrain oder Jan Both.

Friedrich war kein Neuerer. Wenn er an der geliebten Ostsee ein Schiff malte, dann schwamm es in ruhiger See, anders als beim gleichaltrigen William Turner, der seine Schiffe in Stürmen kaum erkennbar kreiseln liess. Ein Maler, schrieb Friedrich, sollte zeigen, «was er in sich sieht.» Offenbar sah er viel seelische Dunkelheit und Schwermut; seine wenigen Freunde beschrieben ihn als schroffen Charakter, der gern mit sich allein war. Sein mönchisches Atelier in Dresden verliess er meist nur in der Dämmerung, er reiste nicht gern, war auch in den intensiven Debatten der Aufklärung nur selten präsent. Er suchte die Einsamkeit, wanderte in die Natur hinaus und kam mit einem Rucksack voller Zeichnungen zurück. Im Atelier malte er dann nicht die Landschaften, die er gesehen hatte. Auf der Leinwand mischte er Bäume aus Sachsen und Brandenburg mit Felsen aus Böhmen, die Natur war ihm Material, war Ausdruck seines Seelenzustandes. Das zeigt sich auch in Friedrichs Gemälde «Der Watzmann.» Friedrich war allerdings nie in der Schweiz gewesen. Er hatte eben seinen eigenen Watzmann gemalt.

Caspar David Friedrich und die Vorboten der Romantik läuft bis zum 19. November. Zu sehen sind neben seinen Arbeiten auch viele Werke anderer naturbegeisterter Zeitgenossen. Wer mag, sollte sich auch die Ständige Ausstellung im Kunst Museum anschauen und sich an vielen Gemälden von Hodler, Giacometti und Liebermann erfreuen. Alles weitere unter www.kmw.ch.

Caspar David Friedrich

Kunst Museum Winterthur

Caspar David Friedrich

Das Ausstellungshighlight des Jahres verspricht die umfassende Schau zum bedeutendsten Maler der deutschen Romantik: Caspar David Friedrich.

Dauerausstellung

Von am 05. Oktober 2023 veröffentlicht.

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