Tatort Zürich – sieben mörderische Fragen zur CIA

Aktuell taucht man bei Kursleiter Dr. Hänni in die Kultur des bekanntesten Geheimdiensts der Welt ein. Wir greifen im Schulstoff vor.

Dr. Hänni, Sie leiten einen Volksschulkurs zur CIA. Wer hat mehr Macht: Präsident Joe Biden oder CIA Direktor William Joseph Burns?
Eindeutig Joe Biden. Er darf mehr Glacé essen.

Hier bei Kulturzüri geht es um Kultur. Ihre Veranstaltung ist Teil des kulturellen Angebots der Stadt Zürich. Aber für welche Kultur steht die CIA?
In den 1950er- und 1960er-Jahren war die CIA weltweit eine der grössten Förderinnen von Kultur. Der US-Geheimdienst promotete zum Beispiel stark den Abstrakten Expressionismus, indem er grosse Ausstellungen mit Gemälden von Jackson Pollock und Mark Rothko und anderen in europäischen Top-Museen organisierte und bezahlte. Die CIA schenkte uns auch die berühmte Trickverfilmung von George Orwells «Animal Farm», den ersten Animationsfilm überhaupt, der in England produziert wurde. Im Hauptquartier in Langley wurde im Kalten Krieg auch eine beachtliche Sammlung von sowjetischen Witzen angelegt. Heute unterstützt und schreibt die CIA immer mal wieder einen Blockbuster.


Die breiteste aller Fragen: Was weiss die CIA (über uns, die Welt, bevorstehende Events)?
Im Moment lautet die Frage ja vor allem: Weiss die CIA, ob die Russen die Ukraine angreifen. Wenn man die Geschichte als Massstab nimmt, lautet die Antwort Nein. Die CIA hat eine katastrophale Bilanz bei der Warnung vor solchen militärischen Überfällen. Die grossen Invasionen Chinas in Korea (1950), der Sowjetunion in Afghanistan (1979) und von Saddam Husseins Irak in Kuwait wurden bis ganz zuletzt nicht vorhergesehen.

Die CIA liess, so zumindest kann man es lesen, Gefangene in befreundeten Staaten foltern. Obama machte gewisse dieser Praktiken publik. Hat sich seither etwas geändert?
Seither kam es zu einem Outsourcing von Folter. Solche Drecksarbeit überlassen die USA heute lokalen Partnern im globalen Süden.

Wir lernen im Netz: In Wiesbaden befindet sich eine Zweigstelle des CIA. Gibt es auch eine in St. Gallen oder Merlischachen?
Wenn die CIA fast ein halbes Jahrhundert eine Firma in Steinhausen im Zugerland besitzen konnte, warum sollte sie dann nicht auch in Merlischachen präsent sein? Nein, im Ernst, Sie können davon ausgehen, dass Knotenpunkte von internationalen Glasfaserkabeln auf die US-Geheimdienste in der Schweiz eine grössere Anziehungskraft ausüben als die Gestade des Vierwaldstättersees.

Hand aufs Herz: Ihr Interesse an der CIA, rührt das von einem jugendlichen Berufstraum her?
Nein, eigentlich nicht. Wobei ich mich erinnern kann, dass ich mich früh in der Primarschule einmal als Doppelagent versucht habe. Meine Klasse hatte sich eines Nachmittags in zwei feindliche Lager gespalten, ich wollte mich aber nicht für eine Clique entscheiden. Da habe ich mich halt beiden Seiten als Maulwurf angeboten. Ich glaube, das endete wohl in einem ziemlichen Desaster, was mich später vielleicht vor dem Berufstraum James Bond bewahrt hat. 

Und jetzt mit Ihrem Wissen: Wie prickelnd und romantisch ist der Beruf des Spions?
Angesichts des hochprozentigen Alkoholikeranteils und neuerer Berufsrisiken wie dem Havanna-Syndrom: etwa so prickelnd wie ein abgestandenes Glas Mineralwasser.

Volkshochschule Zürich

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Von Adrian Schräder am 19. Januar 2022 veröffentlicht.

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