«YOU WANT IT DARKER – Songs über den nahenden Tod»

Der Titel der neuen Ausstellung im Friedhof Forum klingt einfach. Das Thema wird jedoch sehr vielschichtig und auf verschiedenen Ebenen behandelt.

Da sind zum einen die Musiker:innen und ihre Songs über den nahenden Tod: David Bowie, Johnny Cash, Nick Cave, Leonard Cohen, Depeche Mode, Bob Dylan, Joy Division, Joni Mitchell, Patti Smith, Scott Walker, Yello. Sie schienen einst unsterblich. Bis die ersten starben und den Club 27 begründeten. Heute sind die Überlebenden alt und der Tod nahe, was im künstlerischen Schaffen Ausdruck findet. Doch da ihre Musik unsichtbar ist, liessen sich fünf bildende Künstler:innen von den Songs über den nahenden Tod inspirieren und schufen tiefgehende Arbeiten, die einen offenen Umgang mit dem Thema Tod nahelegen.

Die Skulptur «Lullaby» von Thomas Scheinitz ist eine intensive Auseinandersetzung mit einem der letzten Songs von Scott Walker, der tief verschlüsselt den Tod umkreist. In der Form greift der Künstler dabei auf den rätselhaften Polyeder aus der Radierung «Melancholie» von Albrecht Dürrer zurück.

Bettina Scholz hat ihre Plastik «Death is not the End» nach dem gleichnamigen Song von Bob Dylon benannt. Sie ist ein Visualisierungsversuch der Stringtheorie nach Michio Kaku, die besagt, dass die Seele des Menschen durch die Zeit reisen kann und somit den Tod als eine Schnittstelle zur Ewigkeit darstellt.

Die Zürcher Künstlerin Nora Fehr schuf für die Ausstellung zwei Näharbeiten und erweiterte ihre Reihe von gestickten Songtexten mit «Lazarus» und «Shine» um zwei todesahnende Songs von David Bowie und Joni Mitchell.

Die Fotografien der Serie Aérolith 1–5 von Julien Lescoeur wirken klaustrophobisch und düster und bringen Gefühle und Seelenzustände von Todesangst auf unsentimentale Weise zum Ausdruck.

Der Fotograf Anton Corbijn hat Sängerinnen und Sänger, die sich zu Lebzeiten mit dem Tod befasst haben, in würdevollen Bildern porträtiert. In der Ausstellung wird das legendäre Bild von Ian Curtis gezeigt, kurz vor dessen Freitod, wie er sich das letzte Mal umdreht.

Kuratiert wurde die Ausstellung vom Berliner Publizist und Kurator Max Dax. Als Teil der Ausstellung vertieft ein aufwendig gestalteter Katalog die Thematik mit interessantem Hintergrundwissen, exklusiven Artikeln und Interviews von bekannten Musik-Journalist:innen.

Auf Spotify ist die Playlist zur Ausstellung zu finden:

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Von Simone Liedtke am 07. September 2023 veröffentlicht.

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